Grundsätzliche Gedanken

Für jeden Welpeninteressenten - sei dies nun ein erfahrener Hundehalter, der sich aber trotzdem hoffentlich nur alle 10-15 Jahre auf der Suche nach "einem neuen Lebenshund" befindet und daher ein kurzes "Briefing" ganz gut gebrauchen kann, und natürlich umso mehr für den Rasse-Neuling möchten wir hier unbedingt eine wirklich lesenswerte Seite empfehlen, die Sie mit allem Wissenswerten rund um Anschaffung, Haltung und Beschäftigung dieser Rasse versorgt. Sie werden diese Russell-Info wirklich gut gebrauchen können, um sich im Dschungel der Vereine, Zuchtverbände und unterschiedlichsten Züchter zurecht zu finden und vor allem um sich selbst darüber klar zu werden, welchen Hund Sie wirklich suchen und "brauchen", welche Zuchtphilosophie Ihren Vorstellungen entspricht und natürlich auch, ob diese Rasse wirklich das Richtige für Sie ist. ;-) Ihnen wird deutlich in Erinnerung gerufen, worauf Sie achten sollten, welche Fragen Sie vorab geklärt haben wollen, was Sie von den Züchtern wissen müssen und was Ihr Züchter hoffentlich auch über Sie in Erfahrung bringen will. Gute Unterhaltung!

Bild: Emmi mit ihrer neu geborenen Tochter "Believe in Magic Anything Goes", Bea
Emmi mit ihrer neu geborenen Tochter "Believe in Magic Anything Goes", Bea

Menschen, die sich nicht spontan in einen Hundewelpen verlieben, sind im Grunde suspekt ;-) Viel schwieriger aber ist es herauszufinden ob sich unter all der Begeisterung auch die notwendigen Grundvoraussetzungen auf-finden lassen, die dauerhaft eine verantwortungs-, liebe- und respektvolle Mensch-Terrier-Beziehung vorstellbar machen. Sie kann nach unserer Auffassung nur auf einer gereiften, ehrlich informierten Entscheidung fruchten, die von einem gewissen Verant-wortungsgefühl  begleitet wird. Diese temperamentvolle, intelligente, selbstständige, mutige und sehr aufgeweckte Jagdgebrauchshunderasse wird Sie ständig vor Herausforderungen stellen und Sie dazu anhalten Ihre Umwelt mit anderen Augen wahrzunehmen: Jogger, Radfahrer, andere Hunde, Felder, Geräusche - alles mag spontan den Jagdinstinkt Ihres Russells wecken. Eine große Gefahrenquelle ist dabei der Straßenverkehr, da selbst der folgsamste Parson Russell Terrier auf den geringsten Anlass sehr impulsiv und blitzschnell reagiert.

Claremorris Voyager, *Pauli*, spielt mit "Kiss me Kate vom Mehrental", *Kimmy*
Claremorris Voyager, *Pauli*, spielt mit "Kiss me Kate vom Mehrental", *Kimmy*

Das unbändige Interesse für jegliches Raubwild liegt einem korrekt gezüchteten Russell fest verankert in den Genen. Jeder Parson Russell Terrier, der also "bei Trost" ist, wird seinen Instinkten und seinem Trieb, die der unverkennbare stechende Geruch eines nahen Fuchses oder die brummigen Geräusche eines Dachses spontan aktiviert, konsequent nachfolgen wollen. Für die Jagd an Raubwild wurde diese Rasse gezüchtet und sie liegt den Hunden dieser Rasse "im Blut" - ein Umstand, der sich bei ungeübten, jagdlich völlig unerfahrenen Hunden als echte, nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle herausstellen kann, da gerade der Dachs extrem wehrhaft ist und wenn überhaupt im Bau nur von wirklich erfahrenen Gespannen, besser ganzen Teams, mit tauglicher High-Tech Ausrüstung und schnell und tief grabenden Spaten bejagt werden sollte.  

Pauli mit seiner Großnichte Fritzi
Pauli mit seiner Großnichte Fritzi

Bedenken Sie bitte immer in weiser Voraussicht, dass Sie Ihrem Hund unter der Erde niemals rasch genug zu Hilfe kommen könnten, Sie auch mit den besten Bausendern nicht notwendig exakt den Standort Ihres Hundes bestimmen könnten und für eine nicht überschaubare Vielzahl von  Fällen gerüstet sein müssten, mit denen nur der leidenschaftliche Baujäger aus jahrelanger und harter Erfahrung zu rechnen gelernt hat. Lassen Sie niemals (!) Ihren Hund in einen Bau oder eine bauähnliche Rohröffnung einschliefen, die Sie in deren Verlauf, ihren Ausmaßen und Beschaffenheit (Felsbau, Dachsburg!!!) nicht kennen und über dessen Bewohnerschaft keinerlei Zweifel besteht. Gefahrensituationen werden oft aus Leichtsinn, Arroganz oder aus blindem Beutetrieb unterschätzt oder zur Unkenntlichkeit karikiert...  

Unsere Fritzi nach erfolgreicher Übungsfährte
Unsere Fritzi nach erfolgreicher Übungsfährte

Wer einen auf die Praxis der Baujagd solide spezialisierbaren Jagdbegleiter sucht, wird sich konsequenterweise an einen Züchter wenden, der seine Zucht explizit mit diesem Fokus aus klassischen englischen Erdhunde-Arbeitslinien aufgebaut hat. Das sind Arbeitsterrierlinien, die seit vielen Generationen zuverlässig und sehr erfolgreich mit der hierfür notwendigen Schärfe und Härte am Raubwild gearbeitet wurden und werden und sich darin besonders beweisen konnten. Der Kennel Anything Goes zählt nicht zu diesen Züchtern. Unser Fokus liegt eher auf jener jagdlichen Brauchbarkeit, des in unseren Breiten eher benötigten Allround-Revierhelfers.

Pretty "Berkeley", die Foto-gelangweilte "Emmi" und die stets kecke "Fritzi"
Pretty "Berkeley", die Foto-gelangweilte "Emmi" und die stets kecke "Fritzi"

Seien Sie sich bitte immer der Tatsache bewusst, dass unzählige Kino- und Fernsehfilme oder Werbespots von dieser Rasse ein abstraktes, viel zu romantisches Bild zeichnen und Erwartungen nähren, die dieser seit annähernd 200 Jahren auf jagdliche Brauchbarkeit gezüchtete Terrier schon recht bald enttäuschen wird. Wenn auch die "Alltagstauglichkeit" ausgelasteter Parson Russell Terrier stets ein klares Zuchtkriterium sein sollte, so muss Ihnen dennoch unmissverständlich klar vor Augen stehen, dass sich ein Hund dieser Rasse bei chronischer Unterforderung als wahre Plage entpuppen kann, die mit Hingabe an den Nerven ihrer Besitzer zerrt. Vielleicht lesen Sie doch erst eines der Fachbücher aus unserer Russell-Bibliothek und entscheiden erst dann, ob diese Rasse wirklich die richtige für Sie ist? Weiser Rat muss nicht immer teuer sein ;)

 

Unsere Emmi, eine leidenschaftliche Stöberin
Unsere Emmi, eine leidenschaftliche Stöberin

Unser Zuchtziel orientiert sich an einer allgemeinen aber zuverlässigen jagdlichen Einsetzbarkeit unserer Hunde als Revierhelfer. Wir legen besonderes Augenmerk auf eine einwandfreie Nasenleistung, die Stöberarbeit sollte unseren Hunden im Blut liegen, wir erwarten solide und konzentrierte Arbeit auf der Gesund- wie auch der Wundfährte. Diese Mühe hat sich bisher erfreulicherweise ausnahmslos gelohnt. Bisher kann man den von uns gezogenen Hunden Spurwillen, Finderwillen und betonenswert hohe Wasserpassion attestieren. Ziele, die wir weiterhin mit großem Interesse aus Überzeugung gerade hinsichtlich unserer Nachzucht verfolgen. Zudem sind alle von uns gezogenen Hunde "im Job" bisher erstaunlich verleitungsresistent. Wie Sie auch an anderer Stelle lesen werden, ist uns die Abrufbarkeit und Führerbezogenheit unserer Nachzucht ein besonderes Anliegen, die im Kennel "Anything Goes" bereits ab der 4. Lebenswoche (Futtergabe bzw. Kommen auf Pfiff) täglich trainiert wird. Dies alles bereits unter dem großen Vorzeichen spätere Unbill vor allem bei Bewegungsjagden vorzubeugen. Selbstverständlich ist es unumgänglich, dass der zukünftige Besitzer unserer Welpen dieses Training im neuen Heim konsequent weiter verfolgt, da es in unseren Augen nicht hinnehmbar sein muss, dass dermaßen viele Jagdhunde im Einsatz immer noch im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Räder" kommen.

Nur müde Terrier sind wirklich "gute" Terrier ;-)
Nur müde Terrier sind wirklich "gute" Terrier ;-)

Das Zusammenleben mit einem weniger intelligenten und v.a. ruhigeren Hund ist in jedem Fall einfacher. Der ideale Interessent überzeugt rasch, dass er vorbereitet ist auf das, was da auf ihn zukommt. Humor, Gelassenheit und Geduld, freundliche Konsequenz - niemals Härte!!! - vor allem Bewegungs- und Arbeitswille nebst echter Großzügigkeit sind bei dieser spezifischen englischen, klassischen Arbeitsterrierrasse absolut unverzichtbare Ingredienzien, wenn die Verbindung zwischen Mensch und Terrier klappen soll. 

Fritzi mit ihrem Spiel- und Jagdgefährten "Outlaw Hooligan"
Fritzi mit ihrem Spiel- und Jagdgefährten "Outlaw Hooligan"

Lebhaftigkeit, Selbstständigkeit, Beharrlichkeit, hohe Intelligenz neben unerschöpflichem Einfallsreichtum sind definitiv typische Rasseeigenschaften des Parson Jack Russell Terriers, von denen es im Idealfall kein "Zuviel" gibt. Wer diese Talente mit Hyperaktivität, Aufmüpfigkeit oder Sturheit verwechselt, hat eindeutig sein Interesse auf die falsche Hunderasse gelenkt. Da die Entscheidung für einen Welpenkauf den Ablauf Ihres Alltages für die nächsten 15 Jahre maßgeblich bestimmen wird, müssen auch wirklich alle Familienmitglieder ohne Vorbehalt einverstanden sein, muss eine Fülle von grundsätzlichen Fragen geklärt bzw. deren Überlegung vorweg angeregt werden. Wenn irgend möglich statten wir unseren Interessenten einen Besuch ab um die zukünftige Wirkungsstätte der Anything Goes Parson Russell Terrier zu begutachten. Seien Sie also darauf vorbereitet, dass eher mehr denn weniger Wochen vergehen, ehe der für die zukünftigen Besitzer und deren Lebensumstände am ehesten passende Welpe in ersten Augenschein genommen werden kann. Sie dürfen im Gegenzug allerdings wirklich beruhigt darauf vertrauen, dass es im Kennel "Anything Goes" kein FIFO (first-in-first-out)-System gibt und die Welpen immer an die allerbesten, keineswegs an die ersten Plätze vergeben werden. Selbst gezogene Welpen in eine Welt abzugeben, auf die der Züchter selbst kaum mehr Einfluss hat, ist eine echte Herzensangelegenheit und sie beruht auf Vertrauen, das erst wachsen muss. Das Loslassen fällt entschieden leichter, wenn der angebotene Platz den Wunschvorstellungen ideal entspricht. Wann auch immer dieser Platz auftaucht...

Bild: Mit dem Öffnen der Augen kommt Leben in die Wurfkiste
Mit dem Öffnen der Augen kommt Leben in die Wurfkiste

Die Auswahl eines Parson Russell Terrier nach Fellzeichnung oder zu erwartender Fellstruktur macht wenig bis gar keinen Sinn, birgt allerdings ein vermeidbares Risiko in sich: Der Jäger, der einen Revierhund-Anwärter ausbilden möchte, wäre möglicherweise höchst erfreut über Ihren passionierten Vollblutjäger, dessen kaum einbremsbarer Jagdtrieb regelmäßig Ihre Rad-, Berg- oder Joggingtouren, aber eben auch Ihre zukünftige Agilitypläne gehörig verkompliziert, denn "Wehe, wenn er losgelassen...". Das Spektrum der möglichen Terrier-Charaktere innerhalb eines einzigen Wurfes ist in der Regel breit genug um die jeweils beste Entscheidung für alle Beteiligten und natürlich auch für den jeweiligen Hund zu treffen. Unsere Hoffnung ist, dass im Idealfall alle Welpen eines Wurfes aussichtsreich zu zuverlässigen Jagdgefährten ausgebildet werden können. Bei manchen Welpen ist der Jagdtrieb dermaßen stark ausgeprägt, dass man ihm die Erfüllung seiner Berufung als jagdlich ausgebildeten und ständig geführten Arbeitsterrier auch unbedingt ermöglichen sollte. Andere wiederum könnten auch problemlos mit den vielen an die Jagddisziplinen angelehnten Hundesportaktivitäten ausgelastet werden, so diese regelmäßig betrieben werden, sei dies nun die simulierte Hasenjagd beim Coursing oder bei Hunderennen auf den unterschiedlichen Rennbahnen, die auch für Nicht-Windhunde geöffnet sind, das an die Spurarbeit angelehnte "Mantrailing" oder eben auch die erwähnten, durchaus beliebten Freizeitaktivitäten wie Agility, Jogging oder Dauerlaufen, Bergwandern, in gewissem Ausmaß auch Radfahren usw. 

 

Bild: Am Thermophor lässt sich die kurzfristige Abwesenheit der Mutterhündin aushalten.
Am Thermophor lässt sich die kurzfristige Abwesenheit der Mutterhündin aushalten.

In den ersten zwei Lebenswochen sind die Augen und Ohren der Welpen noch geschlossen. Tages- wie Nachtablauf sind ausschließlich von schlafen, trinken und noch mehr schlafen geprägt. Mit dem Erwachen des Seh- und Gehörsinnes beginnen auch die ersten, noch recht wackeligen Erkundungsversuche der Wurfkiste in der dritten Lebenswoche. Ein erster unverbindlicher Besuch von Welpeninteressenten vor dem Ablauf der vierten Lebenswoche macht daher wirklich keinen Sinn, da erst danach die "munteren" Phasen deutlich länger werden. Doch auch zu diesem Zeitpunkt lässt sich über das zu erwartende Wesen der einzelnen Welpen höchstens fabulieren. Vor der sechsten, manchmal auch erst siebten Lebenswoche werden wir daher keine verbindliche Zusage über einen ganz konkreten Welpen seriöserweise treffen können und dies daher auch unterlassen.